
Man schrieb das Jahr 1902. Deutschland wurde von Kaiser Wilhelm II. regiert und der Gemeinderat von Worringen ließ die ersten Gaslaternen aufstellen. Am 4. Dezember trafen sich im Lokal Reiner Dünwald, Gaststätte „Zum Vater Rhein“, (Neußer-Land-Str. 439 – heute nicht mehr existent) 13 Herren und beschlossen, eine neue Karnevalsgesellschaft zu gründen. Bereits am folgenden Sonntag fanden sich in der Gaststätte Daubenbüchel (ehemals Gaststätte „Kölle Pooz“, Ecke Lohn/Alte-Neußer-Landstr.) 30 junge Leute zur ersten Versammlung ein. Man einigte sich darauf, dem Verein den Namen „Karnevalsgesellschaft Närrische Grielächer“ zu geben. Die folgenden Veranstaltungen beschloss man, in der Gaststätte der Witwe Hackenbroich (genannt „Moll’s Grietche“), In der Lohn (heute Hotel – Restaurant „Haus Matheisen“), abzuhalten. Dort blieb bis zur Schließung des Saales im Jahre 1970 das Vereinslokal.
Die ersten Mitglieder entstammten einer Zeit, die mit der heutigen nicht vergleichbar ist. Ein aktiver Karnevalist, der weiß, welche Mühen heutzutage die Gestaltung von Sitzungen und Umzügen mit sich bringt, wird eher etwas ungläubig oder wehmütig lächeln, sollte er die Protokollbücher der damaligen Zeit durchblättern. Brauchte doch der Schriftführer oft nur zu vermerken: „Es wurde beschlossen, ein Fäßchen Bier zu trinken.“ Man hatte sich „vun d’r Kett jeresse“, war also dem Alltag entflohen, um in Kreise Gleichgesinnter das tägliche Leben mit seinen Sorgen für einigen Stunden zu vergessen.
1903 erste Teilnahme am Rosenmontagszug, 1906 erster gemeinsamer Rosenmontagszug in den neuen Uniformen in den Farben Rot-Weiß-Grün-Gelb (unveränderlich mit den Grielächern verbunden und im Umgangston als die „Bunten“ bezeichnet. bis heute noch traditionell, daher im Umgangs-Sprachgebrauch „die Bunten“.)
1907: erste öffentliche Sitzung mit Damen und erste Fahne, die nicht wie heute üblich bestickt, sondern auf Pappe gemalt. Die wurde ebenfalls in diesem Jahr veranstaltet.
1909 konnte man sich über ein gemeinsames Zugmotto mit den anderen ortsansässigen Karnevalisten nicht einigen. Die Grielächer veranstalteten ihren eigenen Rosenmontagszug.
Die „guten Zeiten“ fanden ein jähes Ende, als 1914 der Erste Weltkrieg begann. Das Vereinsleben kam bis zum Sommer 1919 zum Erliegen. Bedingt durch Krieg und Nachkriegswirren hatte die Gesellschaft eine schwere Krise zu bewältigen. 1921, als Worringen aufhörte eine selbstständige Gemeinde zu sein, stand auch die Auflösung der Gesellschaft zur Debatte. Inflation und Veranstaltungsverbote führten dazu, dass erst 1924 mit dem Neuaufbau der Gesellschaft begonnen werden konnte.
1927 konnte, unterstützt durch die KG „Immerfroh“ und KG „Löstige Junge“, das 25jährige Jubiläum gefeiert werden. Trotzdem gab es einen Wehmutstropfen: Der Rosenmontagszug wurde behördlich nicht genehmigt. Die Gesellschaft machte trotzdem einen „Rundgang“ durchs Dorf.
Humoristische Theaterstücke bildeten die Hauptpunkte einer Sitzung und wandelten sich in Richtung karnevalistischer Gesangsvorträge und Büttenreden. Das Motto der Rosenmontagszüge spielte ausschließlich auf Ortsereignisse und die kommunale Entwicklung an.
Im Februar 1938 war es endlich gelungen, eine richtige Gesellschaftsfahne anzuschaffen, die hoch zu Ross im Rosenmontagszug präsentiert wurde.
Von 1939 – 1946 erneut eine Zwangspause wegen des 2. Weltkriegs.
1951 wurde der in der heutigen Form bestehende Gesellschaftsorden eingeführt und zum 50-jährigen Gesellschaftsjubiläum 1952 die Gründung unseres Traditions-Tanzkorps gefeiert.
Karneval konnte wieder voll ausgelebt und verstärkt grielächernden Tugenden nachgegangen werden. Unter einem „Grielächer“ versteht man einen verschmitzt lächelnden Spötter, der sich und seine Mitmenschen narrt oder uzt. Abgeleitet davon das „grielachen“: spöttisch lächeln, verschmitzt, verstohlen schmunzeln; auch heimlich, mehr in sich hinein lachen. Schon seit den frühen Anfangsjahren der Gesellschaft wurde dieses „grielachen“ für die Mitglieder zur Aufnahmepflicht. So wird auch heute noch dieses Ritual zur Erheiterung der Aspiranten und der „Altgrielächer“ beim Gemütlichen Abend durchgeführt.
Angespornt durch die Erfolge des großen Tanzkorps wurden 1955 durch die Gründung des Kindertanzkorps auch die Jüngsten des Vereins in das Tanzgeschehen eingebunden.
Dem Generationswechsel war lange Zeit zu wenig Beachtung geschenkt. Der Nachwuchs blieb aus oder wanderte ab. Eine Flaute drohte 1970/71 dem Vereinsschiff den Wind aus den Segeln zu nehmen. Durch einen Führungswechsel mit Hilfe eines jungen Präsidenten und einer jungen Vorstandsmannschaft gelang es ab 1971 das Narrenschiff wieder auf Kurs zu bringen.
Unterstützung erhielt der Vorstand bei dieser Aufgabe auch vom neugegründeten Ehrenrat, dem verdiente, aber noch aktive Mitglieder des Vereins angehören und mit ihrem Rat zur Seite stehen. Darüber hinaus unterstützten die anderen Karnevalsgesellschaften und der MGV die Sitzungsarbeit, indem sie Auftretende zur Verfügung stellten.
Dass die beharrliche Aufbauarbeit von Erfolg gekrönt war, zeigte die stattliche Zahl neuer Mitglieder, die zur Gesellschaft fanden. Außerdem ermöglichte 1974 eine Statutenänderung die Mitgliedschaft von Damen, die nach 72-jähriger Männerherrschaft ab da kräftig mitmischten und denen maßgeblicher Anteil am Erfolg gebührt; auch schon vor der Zeit der offiziellen Aufnahme.
Im Jahr 1977 konnte nach glanzvollen Höhepunkten und Rückschlägen das 75-jährige Bestehen im Saal Schwarz (Gaststätte Zur Krone) gefeiert werden.
Das Liederheft zur Sitzung entwickelte sich nach und nach zu einem Sessionsheft, das über die Jahres-Aktivitäten informiert und durch Annoncen von Geschäftsleuten bis in die heutige Zeit ermöglicht wird. Diese Publikationen sollen dazu beitragen, nachfolgenden Generationen einen Rückblick in das Zeitgeschehen zu ermöglichen.
Zur Sitzung 1982 konnte das Tanzkorps eine eigene Standarte vorstellen. Mit der Eröffnung des Vereinshauses fand 1983 eine Grielächersitzung in einem neuen Umfeld statt und mit dem erstmals 1984 veranstalteten Sitzungsball wurde das traditionelle Sitzungsprogramm (erster und zweiter Teil mit Pause) durch ein dreistündiges Non-Stop-Programm mit anschließendem Ball ersetzt und das bis heute – somit seit 42 Jahren.
Aus Jux wurde beim Dienstagstreck 1982 ein Dienstagsprinz gekürt. Fortan wurden für dieses Amt Mitglieder ausgesucht, die sich besonders für den Verein einsetzten. Keineswegs als Konkurrenz zum offiziell proklamierten Prinzen. So gibt es keine Prinzenorden, keinen Empfang, keinen Prinzenwagen und die Amtszeit nur wenige Stunden. Ist es in Worringen (bisher noch) nicht möglich als Frau Prinz zu werden, wir haben den Anfang gemacht und bisher neun Frauen zum Dienstagsprinzen gekürt.
Da Worringen zu Köln gehört, war das Wappen der Stadt Bestandteil des Ordens, der Narrenkappe und des Prinzenkostüms. Um die Eigenständigkeit unseres Heimatfestes noch mehr zu betonen, wurde ab 1984 in unserer Narrenkappe und dem Prinzenkostüm das Siegel der ehemaligen Worringer Bürgermeisterei eingeführt.
1985 wurde die Jugendgruppe „Die Mösche“ ins Leben gerufen, um einen greisenhaften Vorstand, alternde Büttenredner und Sänger, auf Krücken gehende Wagenbauer oder rollstuhlfahrenden Präsidenten abzulösen. Leider nach langen, erfolgreichen Jahren z.Z. eine Verschnaufpause. Der Nachwuchs auf der Bühne ist aber trotzdem gewährleistet.
Der Grundstein für einen wahren Publikumsmagneten wurde 1989 mit der erstmals veranstalteten Kaffee-Kuchen-Korn-Sitzung (nur für Fraulück - kurz KKK) gelegt.
Der Lückenschluss zwischen Kindertanzkorps und Traditionstanzkorps erfolgte 1991 durch das Jugendtanzkorps. Einer nahtlosen karnevalistischen Tanzkarriere stand somit nichts mehr entgegen. Ein großes Kompliment an die Eltern, die über all die Jahre die Kostüme sowie deren Aktivitäten gefördert und finanziert und damit den Fortbestand gewährleisten.
Insgesamt wurden die 1970/80er Jahre geprägt durch den Zeitgeist angepasste neue Ideen. Sei es KKK, Sitzungsball oder Dienstagsprinz. Inspiriert durch die Literaten und erfindungsfreudige Mitglieder, gelang es immer mal wieder etwas Besonderes zu präsentieren. Sei es die Inszenierung einer „Fernsehsitzung“ mit öffentlichem Casting, die Teilnahme an den Kirmesveranstaltungen, Foto-Aktionen, Kinder konnten mal ins Original-Prinzenkostüm schlüpfen. Oder der Grielius. Seit 1989 ein kleines lustiges Kerlchen, damals als Aufkleber fürs Auto, heutzutage als nicht wegzudenkendes Erkennungszeichen. Das jecke Gesicht auf Publikationen, Schals, Fahnen – vielleicht auch mal wieder auf einem Auto. Ein neues Gewand für einen Verein, der auf die hundert zuging, aber sich durch neue Ideen auf die Zukunft einstellte. Im Nachhinein die richtige Entscheidung: Tradition bewahren – aber auch neuem stets aufgeschlossen ins Auge sehen.
2003 wurde unter großer Beteiligung der Worringer Bevölkerung das 100-jährige der Gesellschaft und das 50-jährige des Traditionstanzkorps gefeiert: „Grielächer – Sommer – Karnival“: Eine Mischung aus Karneval und Festival“. Talkrunden mit Ehrengästen und Gratulanten, ein Spielparadies für Kinder, Gourmetmeile, Getränkestände, ein Café sowie eine Ausstellung mit vielen Fotos, Plakaten und Zeitdokumenten.
Nächster Eckpunkt: das besonders jecke Datum des 111-jährigen in der Session 2013/14. Schwerpunkte bildeten natürlich auch jedes Jahr die Anforderungen und Umsetzungen an die wechselnden Mottos für die Sitzungen und Rosenmontags-Themen. Insbesondere, wenn ein Prinzenjahr ansteht.
Mit Gelassenheit startete man nach dem Prinzenjahr 2018 in die nächste Periode bis zur eigentlich anstehenden nächsten Ausrichtung in 2024. Weit gefehlt und trügerische Annahme. Kannten wir bisher nur den beliebten „närrischen Bazillus“, der uns bis dahin fast 120 Jahre erfolgreich getragen hatte. Machte sich nun ein aggressiver Virus auf gar nicht jecke Art daran, unseren Fastelovend anzuknabbern.
Was man bisher nur von kriegsbedingten Aussetzern in den 1910er, 1940er und 1994 kannte, schlug nun mit unvermittelter Härte ins jecke Kontor. Weltweite Pandemie, wat för e Woot. Für 2021 und 2022 ruhte ein Zusammenkommen aufgrund „Ausgehverbot in Gruppen“ zur Eindämmung der Pandemie.
Um trotzdem den Kontakt zum Vereinsleben zu halten, starteten div. Aktionen: jecke Präsente (Weckmann als Maibaum zum 1. Mai), Überraschungs-Kamellebüggel mit Pappnase und Luftschlangen, Bastelanleitungen für einen „Bützstrumpf“ (Original-Bützchen wegen Ansteckungsgefahr ja außer Dienst) per Boten, Besprechungen und jecke Darbietungen über digitale Kanäle. Seit 2022 konnte wieder in altbewährter Weise gefeiert werden. Anlaufschwierigkeiten inklusive. Man musste sich erst wieder warmlaufen, der ein oder andere motiviert werden.
Dank der in Sichtweite liegenden Prinzengestellung und nach der Wahl eines sehr engagierten Grielächers für dieses Amt kam das Ganze wieder ins Rollen.
So wird Michael Ligocki in der Session 2025/26 als 16. Prinz der Grielächer als Michael II. „von dramatisch jeckem Geblüt un Fastelovend em Jepäck“ sein Zepter über Worringen schwingen.
Dies kann speziell am Rosenmontag gelingen, wenn Sie Alle ein bisschen dazu beitragen. So zum Schmücken der Häuser und Straßen oder als Zuschauer den Straßenkarneval erleben sowie im Laufe der Session durch den Besuch der zahlreichen Veranstaltungen oder ne „Grosche en de Büchs för de Musik jeffe“.
Die vier Farben: rot-weiss-grün-gelb, die KKK, Sitzungsball, Dienstagsprinz, unser schmuckes Traditions-Tanzkorps, der Büttenmarsch „Wenn bei Moll’s Grietche, de Grielächer setze …“ Und ein prächtiger Schellenbaum, der zu besonderen Ereignissen (wie in diesem Prinzenjahr) „an die Luft“ kommt und als Dauerleihgabe im Worringer Heimatarchiv beheimatet ist.
Stand: Oktober 2025
Am 06.05.2023 fand die Generalversammlung der KG Närrische Grielächer im Vereinshaus Worringen statt.
Freitag, 20.02.2026, 18:00 Uhr
Sessionsrückblick