Chronik

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1902 – 1927 ~ Der Aufbau

Man schrieb das Jahr 1902. Deutschland wurde von Kaiser Wilhelm II. regiert und der Gemeinderat von Worringen ließ die ersten Gaslaternen aufstellen. Am 4. Dezember trafen sich im Lokal Reiner Dünwald, Gaststätte 'Zum Vater Rhein', (Neußer-Land-Str. 439 – heute nicht mehr existent) 13 Herren und beschlossen, eine neue Karnevalsgesellschaft zu gründen. Bereits am folgenden Sonntag fanden sich in der Gaststätte Daubenbüchel (heute Gaststätte 'Kölle Pooz', Ecke In der Lohn/Alte-Neußer-Landstr.) 30 junge Leute zur ersten Versammlung ein. Man einigte sich darauf, dem Verein den Namen 'Karnevalsgesellschaft Närrische Grielächer' zu geben. Die folgenden Veranstaltungen beschloss man in der Gaststätte der Witwe Hackenbroich (genannt 'Moll's Grietche'), In der Lohn (heute Hotel–Restaurant 'Haus Matheisen'), abzuhalten. Dort blieb bis zur Schließung des Saales im Jahre 1970 das Vereinslokal. Auch heute finden wieder Versammlungen in dieser Gaststätte statt.

Die ersten Mitglieder entstammen einer Zeit, die mit der heutigen nicht vergleichbar ist. Ein aktiver Karnevalist, der weiß, welche Mühen heutzutage die Gestaltung von Sitzungen und Umzügen mit sich bringt, wird eher etwas ungläubig oder wehmütig lächeln, sollte er die Protokollbücher der damaligen Zeit durchblättern. Brauchte doch der Schriftführer oft nur zu vermerken: 'Es wurde beschlossen, ein Fäßchen Bier zu trinken.' Man hatte sich 'vun d'r Kett jeresse', war also dem Alltag entflohen, um in Kreise Gleichgesinnter das tägliche Leben mit seinen Sorgen zu vergessen.

1903 erfolgte die erste Teilahme am Rosenmontagszug in Edelmannsröcken, weißer Kniebundhose und Vierfarbenmütze. Unter Mitwirkung der 'Närrischen Grielächer' fand 1906 der erste gemeinsame Rosenmontagszug statt. In den neuen Uniformen in den Farben Rot-Weiß-Grün-Gelb zog man zusammen mit den damals noch bestehenden Gesellschaften 'Ohne Knüngel' und 'Frohsinn' sowie der ebenfalls 1902 gegründeten KG 'Immerfroh' durch den Ort. Die erste Fahne wurde 1907 angeschafft, die nicht, wie heute üblich, bestickt, sondern gemalt wurde. Die erste öffentliche Sitzung mit Damen wurde ebenfalls in diesem Jahr veranstaltet.

1909 konnte man sich über ein gemeinsames Zugmotto nicht einigen und ging im Zorn auseinander. Die Grielächer veranstalteten ihren eigenen Rosenmontagszug. Die Hauptaufgabe sah der Verein darin: Bälle, Sitzungen und möglichst viele Versammlungen abzuhalten.

Die 'guten Zeiten' fanden ein jähes Ende, als 1914 der Erste Weltkrieg begann. Das Vereinsleben kam bis zum Sommer 1919 zum Erliegen. Bedingt durch Krieg und Nachkriegswirren hatte die Gesellschaft eine schwere Krise zu bewältigen. 1921, als Worringen aufhörte eine selbständige Gemeinde zu sein, stand auch die Auflösung der Gesellschaft zur Debatte. Inflation und Veranstaltungsverbote führten dazu, dass erst 1924 mit dem Neuaufbau der Gesellschaft begonnen werden konnte. 1927 konnte, unterstützt durch die KG 'Immerfroh' und KG 'Löstige Junge', das 25jährige Jubiläum gefeiert werden. Trotzdem gab es einen Wehmutstropfen: Der Rosenmontagszug wurde behördlich nicht genehmigt. Die Gesellschaft machte trotzdem in der Uniform einen 'Rundgang' durchs Dorf.

1928 – 1952 ~ Erstes Etappenziel erreicht - es geht weiter

Bildeten bisher auf einer Sitzung humoristische Theaterstücke die Hauptpunkte, wandelte sich das Bild nun zugunsten von karnevalistischen Gesangsvorträge und Büttenreden. Das Motto der Rosenmontagszüge spielte ausschließlich auf Ortsereignisse und die kommunale Entwicklung an.

Im Februar 1938 war es endlich gelungen eine richtige Gesellschaftsfahne anzuschaffen, die hoch zu Ross im Rosenmontagszug präsentiert wurde.

Von 1939 – 1946 musste wegen des 2. Weltkrieges erneut eine Zwangspause eingelegt werden. Die Nachkriegszeit war eine aufbrausende Woge der Freude. Jeder versuchte für kurze Zeit all das zu vergessen, was ihn bedrückte. Ein neuer Anfang war gemacht. Die Grielächer regten sich wieder. Karneval wurde ab 1947 wieder öffentlich gefeiert.

1951 wurde der in der heutigen Form bestehende Gesellschaftsorden eingeführt. Im Jahr 1952 konnte das 50jährige Bestehen der Gesellschaft und die Gründung unseres Tanzkorps gefeiert werden.

1953 – 1977 ~ Erneuter Aufbau

Karneval konnte seit einigen Jahren wieder voll ausgelebt werden. So konnte man verstärkt grielächernden Tugenden nachgehen. Unter einem 'Grielächer' versteht man einen verschmitzt lächelnden Spötter, der sich und seine Mitmenschen narrt oder uzt. Abgeleitet davon das 'grielachen': spöttisch lächeln, verschmitzt, verstohlen schmunzeln; auch heimlich, mehr in sich hinein lachen. Schon seit den frühen Anfangsjahren der Gesellschaft wurde dieses 'grielachen' für die Mitglieder zur Aufnahmepflicht. So wird dies auch heute noch im Rahmen eines Gemütlichen Abends von einem 'Altgrielächer' vorgemacht und muss dann entsprechend interpretiert werden.

Als einzige Worringer Karnevalsgesellschaft sind wir im Besitz eines prächtigen Schellenbaumes, der uns über viele Ecken und Umwege durch ein Ehrenratsmitglied zur Verfügung gestellt wurde und zu besonderen Ereignissen 'an die Luft' kommt.

Angespornt durch die Erfolge des großen Tanzkorps wurden im Jahre 1955 durch die Gründung des Kindertanzkorps auch die Jüngsten des Vereins in das Tanzgeschehen eingebunden.

Dem Generationswechsel war lange Zeit zu wenig Beachtung geschenkt worden. Der Nachwuchs blieb aus oder wanderte ab und eine Flaute drohte 1970/71 dem Vereinsschiff den Wind aus den Segeln zu nehmen. Durch einen Führungswechsel mit Hilfe eines jungen Präsidenten und einer jungen Vorstandsmannschaft gelang es ab 1971 das Narrenschiff wieder auf Kurs zu bringen.

Unterstützung erhielt der Vorstand bei dieser Aufgabe auch vom neugegründeten Ehrenrat, dem verdiente, aber noch aktive Mitglieder des Vereins angehören und mit ihrem Rat zur Seite stehen. Darüber hinaus unterstützten die anderen Karnevalsgesellschaften und der MGV die Sitzungsarbeit, in dem sie Auftretende zur Verfügung stellten.

Dass die beharrliche Aufbauarbeit von Erfolg gekrönt war, zeigte die stattliche Zahl neuer Mitglieder, die zur Gesellschaft fanden haben. Außerdem ermöglichte 1974 eine Statutänderung die Mitgliedschaft von Damen, die nach 72jähriger Männerherrschaft von dieser Zeit an kräftig mitmischten und denen maßgeblicher Anteil am Erfolg gebührt; auch schon vor der Zeit der offiziellen Aufnahme.

Im Jahr 1977 konnte nach glanzvollen Höhepunkten und Rückschlägen das 75jährige Bestehen im Saal Schwarz (Gaststätte Zur Krone) gefeiert werden.

1978 – 2002 ~ Die ersten 100 Jahre sind geschafft

Das Liederheft zur Sitzung entwickelte sich nach und nach zu einem Sessionsheft, das über unsere Aktivitäten informiert und durch Annoncen von Geschäftsleuten ermöglicht wird.

Zur Sitzung 1982 konnte das Tanzkorps eine eigene Standarte vorstellen. Mit der Eröffnung des Vereinshauses wurde 1983 der enge, aber gemütlich-familiär wirkende Saal Gladbach verlassen. Erstmals fand eine Grielächersitzung in einem neuen modernen Umfeld statt. Mit dem erstmals 1984 veranstalteten Sitzungsball wurde der bisherige Sitzungsablauf (erster und zweiter Teil mit dazwischenliegender Pause) durch ein dreistündiges Non-Stop-Programm mit anschließendem Ball ersetzt.

Aus Jux und ohne große Vorbereitung wurde spontan beim Dienstagstreck 1982 erstmals ein Dienstagsprinz mit Hofstaat gekürt. Fortan wurden für dieses Amt Mitglieder ausgesucht, die sich besonders für den Verein einsetzten. Keineswegs als Konkurrenz zum offiziell proklamierten Prinzen. So gibt es keine Prinzenorden, keinen Empfang, keinen Prinzenwagen. Dä ärme Käl oder Frau muss, damit er noch lange Jahre fit bleibt, zu Fuß gehen. Erst vor einigen Jahren wurde ein fahrbarer Stuhl eingeführt. Ist es in Worringen auch nicht möglich als Frau Prinz zu werden, wir haben den Anfang gemacht und bisher drei Frauen zum Dienstagsprinzen gekürt.

Offensichtlich, da Worringen zu Köln gehört, wurde irgendwann das Wappen der Stadt Bestandteil des Ordens, der Narrenkappe und des Prinzenkostüms. Um die Eigenständigkeit unseres Heimatfestes noch mehr zu betonen, wurde ab 1984 in unserer Narrenkappe und unseren Prinzenkostümen das Siegel der ehemaligen Worringer Bürgermeisterei eingeführt.

Damit Jugendliche und deren Freunde, die zum Kern des Vereins und den traditionellen Vereinsaufgaben wenig Beziehung haben, ihre eigenen Vorstellungen besser verwirklichen konnten und letztlich mal einen greisenhaften Vorstand, alternde Büttenredner und Sänger, auf Krücken gehende Wagenbauer oder einen rollstuhlfahrenden Präsidenten ablösen können, wurde 1985 die Jugendgruppe 'Die Mösche' ins Leben gerufen.

Der Grundstein für einen wahren Publikumsmagneten wurde mit der 1989 erstmals veranstalteten Kaffee-Kuchen-Korn-Sitzung nur für Fraulück (kurz KKK genannt), gelegt, bei der Kaffee und Kuchen, sowie zum Sitzungsstart ein Korn gereicht werden.

Die Lücke zwischen Kindertanzkorps und Traditionstanzkorps wurde 1991 durch das Jugendtanzkorps geschlossen, so dass einer nahtlosen karnevalistischen Tanzkarriere nichts mehr entgegenstand. An dieser Stelle ein großes Kompliment an die Eltern, die durch große finanzielle Zuwendungen über all die Jahre die Kostüme der Kinder und Jugendlichen, sowie deren Aktivitäten gefördert und damit den Fortbestand der Tanzkorps und der Jugendgruppe gewährleistet haben.

Unterstützung bei den vielfältigen Aufgaben fand man immer wieder bei Freunden und Gönnern. Als Dank wurden in den letzten fünfundzwanzig Jahren Peter Paul Nesseler, Alfred Rellecke, Richard Metzmacher, Hans Pesch, Klaus Weber, Arnold Nesseler, Gertrud Hulbert und Hans Ladwig zu Ehrenmitgliedern ermannt. Nicht zu vergessen der Einsatz des langjährigen Pianisten Karl-Heinz Dünwald.

Hatte sich das Erscheinungsbild der Sitzungen durch den Sitzungsball und die KKK-Sitzungen schon einem neuen Zeitgeist angepasst, wurde in den letzten Jahren die Sitzungsleitung in Form der Moderation ins Leben gerufen. Im Jahr 1997 gelang der Versuch, die Litschrede wieder zu beleben. Besonders hervorzuheben als 'grielächernde' Aktion die für 1999 groß publizierte 'Erste-Worringer-Fernsehsitzung' mit einem öffentlichen Probe-Termin. Was sich dann als Sitzung in Form einer Fernsehshow herausstellte.

In der Session 2002/03 konnte das 100jährige Jubiläum der Gesellschaft sowie das 50jährige Bestehen des Traditionstanzkorps gefeiert werden.

Seit 2003 ~ Weiter mit bewährten Ideen

Nach einer vereinsintern Feier, genau am Gründungstag vor 100 Jahren, dem 4. Dezember 2002, bildete das große Fest im Juli 2003 auf dem Zillikensplätzchen unter großer Beteiligung der Worringer den absoluten Höhepunkt und fand unter dem Motto Grielächer – Sommer – Karnival: „Eine Mischung aus Karneval und Festival“ statt.

Das Programm umfasste eine kölsche Messe, Empfang und abwechslungsreiche Talkrunden mit Ehrengästen und Gratulanten, ein Spielparadies für Kinder, die Gourmetmeile, Getränkestände, ein Cafe sowie eine Ausstellung mit vielen Fotos, Plakaten und Zeitdokumenten über die Vereinsgeschichte. Umrahmt wurde alles von den Auftritten aller Worringer Tanzkorps und Darbietungen unterschiedlicher Musikgruppen - und das von morgens bis in den späten Abend. Die Beteiligung und Anerkennung der Bevölkerung gab uns weiterhin die Motivation für das Worringer Heimatfest karnevalistisch tätig zu bleiben.

Im Jahr 2006 hat unser Vizepräsident Manfred Pesch, der auch als Sänger und Literat seine karnevalistischen Qualitäten unter Beweis gestellt hat, als dreizehnter Prinz von echt närrischem, grielachendem Geblüt sein Zepter über die Worringer Narren geschwungen. Mit seinem Motto „Handjemaate Fasteleer fällt uns Wurringer janit schwer“ beschrieb er den Fastelovend mit seinen facettenreichen Karnevalsgesellschaften, Zuggesellschaften und –gruppen und den Schmückgemeinschaften sowie dem Schulkarneval. Sie alle haben eines gemeinsam: Alles Wesentliche wird in kreativer Handarbeit gestaltet. Ob prunkvolle Wagen, Sitzungsauftritte oder die Kostüme.

Der Rosenmontagszug stand unter dem Thema 'Worringer Jeck, wünsch dir jet' und gab einen interessanten Einblick in die Wunschzettelwelt der Jecken.

Neben der Durchführung unserer Sitzungsveranstaltungen und der Teilnahme an den Umzügen an den 'Tollen Tage', nehmen das Fischessen, das Gartenfest, das Skatturnier, der Ausflug der Mösche und der Tanzgruppen, der Gemütliche Abend, die Proben zu den Sitzungen, die Planung und Ausarbeitung der Kostüme und des Wagens für den Rosenmontagszug, sowie die einmal im Monat stattfindenden Versammlungen einen festen Platz im Terminkalender ein.

Die Grielächer sind zwar schon über hundert, aber so jeck wie eh und jeh und man findet uns überall dort, wo es ertönt 'Wenn bei Moll's Grietche...'

Aktuell

Gelungener Auftakt für klein und groß

Eine gelungene interne Generalprobe feierten unsere Tanzkorps am vergangenen Dienstag.

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